Privater Hochschulsektor:
Profilmerkmale
Ein wesentlicher Unterschied zwischen staatlichen und privaten Hochschulen ist das Fächerprofil.
Während die staatlichen Hochschulen das gesamte Fächerspektrum ab-
decken, sind 2008 an privaten Hochschulen gut 60 Prozent aller Studie-
renden in wirtschaftsorientierten Studiengängen eingeschrieben. An staat-
lichen Hochschulen sind es lediglich zwölf Prozent.
Der Anteil an MINT-Studierenden (Mathematik, Informatik, Naturwissen-
schaften, Technik) und Ingenieuren an staatlichen Hochschulen ist mit
35 Prozent mehr als doppelt so groß wie an privaten Hochschulen
(16 Prozent). Knapp 30 Prozent der Studierenden an staatlichen Hoch-
schulen ist darüber hinaus in den Sprach-, Kultur-, Kunst- oder Sportwis-
senschaften eingeschrieben. Der Anteil für diese Fächergruppen
zusammen liegt an privaten Hochschulen bei nur sechs Prozent.
Der Fokus bei privaten Hochschulen liegt also auf den Wirtschaftswissen-
schaften. Knapp zwei Drittel aller privat Studierenden belegten 2008 diese
Fächer. Gut ein Drittel dieser Studierenden ist in Nordrhein-Westfalen ein-
geschrieben. Der kleinste Teil davon studiert an hoch selektiven privaten
Hochschulen – nämlich rund fünf Prozent. Die Mathematik-, Natur- und
Ingenieurwissenschaften bilden den zweiten Schwerpunkt der privaten
Hochschulen. 16 Prozent aller Studierenden sind in diesen Fächern ein-
geschrieben.
Einen weiteren Schwerpunkt des Fächerprofils privater Hochschulen bil-
den die Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften. Zehn Prozent
aller privat Studierenden sind in diesen Fächern eingeschrieben, gut
90 Prozent davon in den Gesundheitswissenschaften.
Von den insgesamt gut 15.000 Studiengängen in Deutschland werden
knapp zwei Prozent als Fernstudiengänge und knapp fünf Prozent als Teil-
zeitstudiengänge angeboten. Das Gesamtangebot von Teilzeit- und Fern-
studiengängen in Deutschland wird überproportional stark von privaten
Hochschulen bestritten.
Private Hochschulen bieten zwar nur fünf Prozent aller Studiengänge an,
sie zeichnen aber für 36 Prozent aller Fernstudiengänge und 29 Prozent
aller Teilzeitstudiengänge verantwortlich. Private Hochschulen nehmen für
sich in Anspruch, dass sie mit ihren Studienangeboten jenen Zielgruppen
ein Studium eröffnen, die nicht Vollzeit, sondern berufsbegleitend oder in
Teilzeit studieren möchten. 27 Prozent der an privaten Hochschulen ange-
botenen Studiengänge können auch in Teilzeit studiert werden – das gilt
für 211 der insgesamt 790 Studiengänge. Knapp 14 Prozent der Studien-
gänge können als Fernstudium absolviert werden.
Mit ihrem Anteil flexibler Studienangebote liegen private Hochschulen
deutlich vor den staatlichen. Letztere bieten nur knapp vier Prozent aller
Studiengänge in Teilzeit und gut ein Prozent als Fernstudium an. Staat-
liche Hochschulen sprechen mit ihrem Angebot also traditionelle Vollzeit-
studierende an, private Hochschulen entwickeln Angebote, die ein fle-
xibles Studieren ermöglichen.
Ausgewählte private Hochschulen konzentrieren sich auf Fernstudien-
gänge. Bundesweit hat eine Vielzahl privater Hochschulen Teilzeitstu-
dienangebote im Programm. Dies ist ein Profilmerkmal, das für die
gesamte private Hochschullandschaft von Bedeutung ist.