Ländercheck Forschung:
Ein Fazit

Die Politik in Europa hat sich das Ziel gesetzt, die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auszubauen und so zum dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Unter den Industrieländern erreicht Deutschland einen Platz im internationalen Mittelfeld. Doch wie gut sind die einzelnen Bundesländer bei der Forschung aufgestellt? Der Ländercheck analysiert und bewertet, in welchen deutschen Regionen FuE besonders viel und besonders erfolgreich betrieben wird.

Gesamtschau

In der Gesamtschau erreichen Baden-Württemberg und Bayern die besten Ergebnisse. Beide Länder glänzen insbesondere bei FuE, die in Unternehmen betrieben wird. Insgesamt Nachholbedarf gibt es in Brandenburg, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Regional differenziertes Bild

Die Forschungslandschaft in Deutschland ist regional differenziert: Die FuE-Abteilungen der Betriebe mit Sitz in Süddeutschland dominieren das Bild bei Forschung und Entwicklung, die von der Wirtschaft betrieben wird. Aus dem übrigen Bundesgebiet kann nur Niedersachsen mithalten, das in den vergangenen zehn Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Hohe Wirtschaftskraft und hohe FuE-Intensität kommen in diesen Ländern zusammen.

Öffentliche Forschung vs. FuE der Wirtschaft

Nahezu das gegenteilige Bild zeigt sich bei der öffentlichen Forschung. Die Bestplatzierten bei der FuE der Wirtschaft finden sich hier plötzlich auf den hinteren Plätzen wieder. Umgekehrt liegen die Stadtsaaten und die ostdeutschen Bundesländer bei der außeruniversitären Forschung gut im Rennen. In diesen Ländern finden sich viele Institute der großen Forschungsgemeinschaften und der Ressortforschung, die direkt der Politik zuarbeiten. Ein Grund für die Diskrepanz bei öffentlicher Forschung und FuE der Wirtschaft mag in dem Versuch liegen, mit den Standorten außeruniversitärer Forschungseinrichtungen für einen gewissen Strukturausgleich zu sorgen und in wirtschaftlich schwachen Gebieten die Lücken zu schließen, die durch zu geringe FuE-Aufwendungen der Unternehmen entstanden sind. Die Stärke der außeruniversitären Forschung in Ostdeutschland ist auch Folge der Integration der DDR-Akademien in Leibniz-Institute. Da die Ungleichgewichte der Forschungsaufwendungen in der Wirtschaft aber dramatisch sind, kann ein wirklicher Ausgleich nicht gelingen. Immerhin können einige hochqualifizierte Beschäftigte so in den Regionen gehalten werden.

Forschung an Hochschulen nimmt Fahrt auf

Zeitgleich mit der Exzellenzinitiative der Bundesregierung hat die Forschung an deutschen Hochschulen wieder an Fahrt hinzugewonnen. Insbesondere ist eine Trendwende bei der Entwicklung des FuE-Personals zu beobachten. Die Zahl der Hochschulforscher nimmt seitdem wieder zu. Bundesländer, die so genannte Eliteuniversitäten der Exzellenzinitiative beheimaten, schneiden aber nicht automatisch besser bei der quantitativen Abschätzung der Forschung in Hochschulen ab. Denn Bremen liegt hier in der Bewertung weit vorne.

Forschungserfolg und -output

Hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung bedeuten nicht zwingend, dass diese auch wirklich erfolgreich sind. Forschungserfolg und -output sind allerdings nur schwer zu messen. Übliche Maße sind Patente in der Wirtschaft oder wissenschaftliche Publikationen und Drittmittelerfolg bei Hochschulen. Nach diesen Maßstäben schneiden noch zu viele Hochschulen in Ostdeutschland unterdurchschnittlich in der Forschungsleistung ab. Sie akquirieren deutlich weniger Drittmittel als die westdeutschen Hochschulen und auch die Forschungsreputation der Fachbereiche ist selten spitze.

Forschung und Wirtschaftskraft

In der Wirtschaft sind Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen und effizientere Produktionsverfahren das Ziel von Forschung und Entwicklung. FuE ist also dann erfolgreich, wenn sie eine wirtschaftliche Rendite bringt. Der enge Zusammenhag zwischen Höhe der Forschungsaufwendungen und Wirtschaftskraft der Bundesländer scheint zu belegen, dass dieses Ziel weitgehend erreicht wird. Doch die Länder mit den höchsten FuE-Aufwendungen sind nicht unbedingt die mit der besten Verwertungsrate. So ist die Zahl der Patente, die in Bayern und Baden-Württemberg angemeldet wurden, zwar hoch, die Patentquote je Forscher aber nur durchschnittlich.

Politik für mehr FuE

Der vorliegende Ländercheck gibt Auskunft darüber, wie sich Forschung und Entwicklung in Deutschland verteilen. Da FuE-Stätten positive Auswirkungen auf die Umgebung haben – qualifiziertes Personal wird nachgefragt, neue Unternehmen siedeln sich an – lässt sich daran auch ablesen, wie sich die Regionen in Zukunft entwickeln könnten. Doch eine aktive regionale FuE-Förderung gelingt nicht ohne Weiteres. Denn erstens ist der Erfolg von FuE immer ein Stück weit unsicher. Und zweitens gehen innovative Unternehmen gerne dorthin, wo schon viel FuE betrieben wird. Politik, insbesondere die Politik in den Bundesländern, hat deshalb nur begrenzte Mittel, FuE in ihren Regionen zu befördern. Das Engagement, forschungsintensive Industrien oder Forschungseinrichtungen anzusiedeln, ist aber durchaus verschieden. Das lässt sich auch an der unterschiedlichen Priorität ablesen, die Forschungsförderung in den öffentlichen Haushalten der einzelnen Länder einnimmt.

Die Autoren des Länderchecks

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