Ländercheck Privater Hochschulsektor: Ein Fazit
Private Hochschulen leisten einen kleinen, aber wachsenden Beitrag zu
einem vielfältigen Bildungssystem, das für eine zunehmend heterogene
Zielgruppe bedarfsgerechte Angebote vorhält.
Verglichen wurden die Größe und die Dynamik des nicht-staatlichen Hochschul-
sektors in den Bundesländern. Untersucht wurden außerdem ausgewählte Profil-
merkmale des privaten Hochschulsektors. Qualität und Leistung privater Hoch-
schulen in Deutschland standen nicht im Fokus des Länderchecks.
Der private Hochschulsektor ist klein, aber dynamisch.
Insgesamt ist im Jahr 2008 jede vierte Hochschule in privater Trägerschaft, gut
vier Prozent aller Studierenden sind an privaten Hochschulen eingeschrieben.
Dies ist das Ergebnis eines rasanten Wachstums seit dem Jahre 2000. Die An-
zahl der Hochschulen wie auch der Anteil der privat Studierenden haben sich
mehr als verdoppelt.
Ungleichmäßige Verteilung und unterschiedliches Wachstum
Die private Hochschullandschaft verteilt sich sehr ungleichmäßig auf die Republik
und wächst unterschiedlich stark. Auch wenn fast alle Bundesländer eine posi-
tive Veränderungsrate aufweisen, so gibt es doch Regionen – zum Beispiel die
östlichen Bundesländer oder Bayern – in denen der private Hochschulsektor
unterdurchschnittlich groß ist und unterdurchschnittlich wächst.
In den Stadtstaaten und einzelnen Bundesländern wie zum Beispiel Hessen
zeigt sich hingegen ein relativ großer und dynamischer privater Hochschul-
sektor. Unterschiede in der staatlichen Regulierungspraxis könnten ein Grund
hierfür sein. Zur Qualitätssicherung im privaten Hochschulsektor gehören
neben der staatlichen Anerkennung durch das Bundesland auch die institu-
tionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat und die Studiengangs-
akkreditierung. Insbesondere für die Gründungsphase gibt es kein bundesweit
einheitliches Verfahren für die staatliche Anerkennung. Ob und wie stark ein
Bundesland Hürden für eine private Hochschulgründung aufbaut oder diese
befördert, ist deshalb bundeslandspezifisch sehr unterschiedlich.
Die unterschiedliche Bedarfslage in den Regionen könnte ein weiterer
Grund sein. Private Hochschulen besetzen Nischen, in denen staatliche
Hochschulen noch nicht oder nur schwach vertreten sind. Attraktiv ist eine
Gründung also dort, wo der staatliche Sektor diese Nischen unbesetzt lässt
und wo gleichzeitig eine Nachfrage existiert. So gibt es zum Beispiel in Berlin
eine potenzielle Nachfrage für eine Public Policy School oder Studienangebote
im Bereich Medien und Design. In den östlichen Bundesländern ist der staat-
liche Sektor gut ausgebaut für die dort existierende Nachfrage. Für private
Hochschulen existiert daher mutmaßlich ein geringeres Marktpotenzial.
Schließlich erklärt auch die Spezialisierung einzelner Hochschulen auf flexible
Studienformen die Größe des privaten Hochschulsektors in dem jeweiligen
Bundesland. So sind zum Beispiel Fernhochschulen in Hamburg für den hohen
Studierendenanteil in diesem Bundesland verantwortlich. Die Studierenden
müssen jedoch nicht vor Ort sein, sondern können das Angebot ortsunab-
hängig wahrnehmen.
Privater Hochschulsektor hat ein anderes Profil als der staatliche.
Der private Hochschulsektor unterscheidet sich in ausgewählten Pro-
filmerkmalen deutlich vom staatlichen Sektor. Ein wesentlicher Unter-
schied zwischen staatlichen und privaten Hochschulen ist das Fächerprofil.
Zwei Drittel aller Studierenden privater Hochschulen sind in wirtschafts-
orientierten Studiengängen eingeschrieben. Die MINT-Fächer und die Ge-
sundheitswissenschaften sind weitere Schwerpunkte. Offensichtlich lassen
sich in diesen Fachdisziplinen durch praxisnahe Angebote Einnahmen er-
zielen. Diese Fächer sind aber auch in ihrer Durchführung weniger kosten-
intensiv als zum Beispiel die Ingenieurwissenschaften und benötigen gerin-
gere Investitionen vor Aufnahme des Studienbetriebs.
Die Flexibilität des Studienangebots ist ein weiteres Profilmerkmal des
privaten Hochschulsektors. Private Hochschulen nehmen für sich zu Recht
in Anspruch, dass sie mit ihren Studienangeboten jenen Zielgruppen ein Stu-
dium eröffnen, die nicht vollzeit, sondern berufsbegleitend oder in Teilzeit
studieren möchten. 27 Prozent der an privaten Hochschulen angebotenen
Studiengänge können in Teilzeit, knapp 14 Prozent der Studiengänge als
Fernstudium absolviert werden. Mit ihrem Anteil flexibler Studienangebote
liegen private Hochschulen deutlich vor den staatlichen. An staatlichen Hoch-
schulen können nur knapp vier Prozent aller Studiengänge in Teilzeit und
gut ein Prozent als Fernstudium absolviert werden. Staatliche Hochschulen
sprechen mit ihrem Angebot also traditionelle Vollzeitstudierende an, private
Hochschulen entwickeln Angebote, die ein flexibles Studieren ermöglichen.
Die Profilmerkmale Internationalität und Forschung sind beide nicht
prägend für die gesamte private Hochschullandschaft. Internationalität
ist eine Stärke einzelner privater Hochschulen, die einen hohen Anteil aus-
ländischer Studierender haben und überwiegend internationale oder nicht-
deutschsprachige Studiengänge anbieten. Dies gilt nicht für die private Hoch-
schullandschaft als Ganzes. Auch in der Forschung zeigt sich ein uneinheit-
liches Bild. Forschung an privaten Hochschulen entwickelt sich in geringem
Umfang, nur in einzelnen Bundesländern und an wenigen forschungsorien-
tierten privaten Hochschulen. Eine ausdifferenzierte starke Forschungsland-
schaft ist mittelfristig nicht zu erwarten. Forschung ist kein prägendes Pro-
filmerkmal der privaten Hochschullandschaft insgesamt.
Die Autoren des Länderchecks
Andrea Frankleitet im Stifter-
verband den
Programmbe-
reich "Dialog
und Forschung".
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Dr. MathiasWinde leitet
den Programm-
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schulpolitik und
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