Ländercheck Bologna:
Ein Fazit

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß.


Fünf Länder waren Vorreiter bei der Umstellung auf Bachelor- und Master-
Studiengänge: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Niedersachsen.
In der Tendenz haben diese Länder auch überdurchschnittliche Werte bei
Praxisbezug und Mobilität. Dies gilt insbesondere für die Gesamtgewinner
des Länderchecks. Berlin, Brandenburg und Bremen haben konsequent auf
gestufte Studiengänge umgestellt und schneiden gleichzeitig gut bei den
gewählten Indikatoren für Employability und Mobilität ab. Sie haben es ge-
schafft, die mit der Studienstrukturreform anvisierten Ziele zu erreichen.

Formal reformiert, die Ziele aber verfehlt
Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben den formalen Teil des Bolognaprozesses weitgehend hinter sich gebracht. In diesen drei Ländern sind bereits vier von fünf Studiengängen auf die neuen Abschlüsse umgestellt. Die mit der Reform verbundenen Ziele wurden nach jetzigem Kenntnisstand jedoch weitgehend verfehlt: Zumeist unterdurchschnittliche Ergebnisse bei Praxisbezug und internationaler Mobilität weisen auf Umsetzungsprobleme hin, die eine Nachsteuerung erforderlich erscheinen lassen und den Ländern einen Platz im Mittelfeld zuweisen.

Nachzügler können noch profitieren
Vier Länder lassen sich Zeit bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Hessen und Bayern sind die Nachzügler, die durch den Bologna-Prozess noch gewinnen können. Derzeit erreichen die Länder bei Praxisbezug des Studiums und Mobilität der Studenten durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Werte. Da sie aber einen größeren Teil der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse noch vor sich haben, besteht die Chance, vom Bologna-Prozess zu profitieren. Sachsen weist bereits jetzt sehr gute Rahmenbedingungen auf. Das Land ist auch ohne die flächendeckende Einführung gestufter Studiengänge überdurchschnittlich gut bei den Indikatoren für Praxisbezug im Studium und internationale Mobilität. Diese Qualität gilt es jetzt in die neuen Studiengänge zu übertragen.

Auf die Umsetzung kommt es an
Die Beispiele zeigen, dass Länder mit einer hohen Umstellungsrate die Bologna-Ziele tendenziell besser erfüllen, als Länder, die später umgestellt haben: Die rein technische Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge bringen die Hochschulen allerdings nicht automatisch den Bologna-Zielen näher, es kommt beim Bologna-Prozess auf die Umsetzung an. Den Bologna-Kritikern sei aber auch gesagt: Die Hochschulen in den erfolgreichen Bundesländern zeigen, dass Bologna nicht zu geringerer Internationalität und Mobilität führen muss – das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Momentaufnahme des Bolognaprozesses
Der vorliegende Ländercheck stellt aufgrund des eingeschränkten Datenmaterials nicht mehr als eine Momentaufnahme dar. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Bologna-Reform lassen sich erst umfassend beurteilen, wenn mehrere Absolventenjahrgänge ihr Studium beendet haben. Deren Studium, Berufseintritte und -verläufe müssen sorgfältig analysiert werden. Weitere empirische Untersuchungen müssen das Konzept der Employability von Studiengängen genauer beleuchten und messen. Dies ist bislang ein großes Desiderat geblieben. Statistische Lücken gibt es auch bei den neuen Formen der Mobilität, die Bologna bietet. Bisher gibt es verlässliche Daten nur für die Mobilität während eines Studiums, die damit nur noch einen Teil der Auslandsmobilität abdecken. Gänzlich ausgeklammert wurde in der vorliegenden Analyse die Promotionsphase als dritter Teil der hochschulischen Ausbildung, da keine brauchbaren statistische Daten zu Promovierenden an Hochschulen vorliegen – ebenfalls eine bedauerliche Lücke in der Hochschulstatistik.

Die Autoren des Länderchecks

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